9. Sonntag nach Trinitatis - 01. August

Predigt zu Mt 7, 24-27

In der letzten Zeit habe ich viele Häuser gesehen - im Fernsehen die zerstörten Häuser in den Hochwassergebieten. In Urlaubsprospekten die noch freien Ferienhäuser. Hier bei uns alle möglichen Häuser im Bau.

All diese Bauten sind unterschiedlich: Manche sitzen auf einem neuen Fundament, andere auf alten Sandsteinmauern. Einige erinnern in der Leichtigkeit an die Bauweise des Mittelmeeres und bringen einen Hauch von Unbeschwertheim mit sich, andere wieder sind modern in feste Formen strukturiert, die nüchterne Klarheit vermitteln. Wieder andere sind Stein auf Stein ganz klassisch nach Handwerkerart gebaut, während daneben der Betonschalenguss fröhliche Urstände feiert.

Unsere Häuser sind so vielfältig wie wir - und sie sagen viel über uns aus:

Welches Material verwenden wir? Welche Farben spiegeln uns wider? Wie viele Räume planen wir ein und wie sind sie angeordnet?

All das trifft Aussagen über uns: unseren Charakter, unsere Vorlieben, unsere Familienplanung. Unsere Häuser sind Spiegel unserer Vorstellung vom persönlichen Glück.

Selig sind, die ein Haus nach ihrer Wahl bauen können.

 Die Lesung heute spricht ebenfalls von der Seligkeit - der Glückseligkeit. Selig sind - das heißt: Glücklich sind, die …

Auf den ersten Blick könnte man hier verstehen: Selig sind, wenn sie arm sind im Geiste; wenn sie trauern, wenn sie hungern und dürsten nach Gerechtigkeit.

Glück also nur unter der Voraussetzung de vorangehender Not?

Ich glaube nicht.

Ich glaube, die Seligpreisungen setzen die Not nicht voraus, sondern machen sie unwichtig für das Glück. Selig sind, auch wenn sie Not leiden, auch wenn sie trauern.

Und das wiederum ist ein großes Glück - denn wir allen wünschen uns Glück - für uns, für unsere Kinder. Das Streben nach Glück ist sogar in einer der ersten Verfassung der westlichen Welt als Bürger- und Menschenrecht festgehalten.

Auch für dich, Flavia, wünschen sich deine Eltern Glück.

Und doch würden sie mir wahrscheinlich - hoffentlich - alle zustimmen, wenn ich sage: ein glückliches Leben erschöpft sich nicht im äußerlichen Wohlbefinden. Ein Haus auf festem Grund allein ist kein Garant für unser Glück, schon gar nicht für die Glückseligkeit.

Diese Erfahrung kommt auch im Predigttext zum Ausdruck - nur ein paar Verse nach den Seligpreisungen, im siebten Kapitel:

 

Text lesen Mt 7, 24-27

 

Ein beruhigender Text - aber auch ein herausfordernder.

Denn es kommt nicht nur darauf an, die Worte Jesu zu hören - sondern sich auch zu tun.

Unser Leben danach auszurichten. Nur wer über dem Hören das Tun nicht vergisst, hat festen Boden unter seinen Füßen - hat ein festes Fundament unter seinem Leben.

Jesus selbst führt das in seiner Bergpredigt sehr ausführlich aus, mit vielen Einzelbeispielen: zürne nicht gegen deinen Nächsten. Schon böse oder neidvolle Gedanken zerbrechen deine Beziehungen. Beschäme, die dich ausbeuten durch deine eigene Großzügigkeit, denn du sollst sogar deine Feinde mehr lieben als dein eigenes Gerechtigkeitsempfinden zulässt.

Und bereits in der Lesung ist der Boden hierfür bereitet: selig sind die Sanftmütigen, selig sind die Barmherzigen.

All das bündelt am Ende in der goldenen Regel: Alles, was ihr wollt, dass euch die Leute tun,  tut auch ihnen.

Eine Regel, die wir im Volksmund übersetzen mit: Was du nicht willst, dass man dir tu, das füg auch keinem andern zu. Klingt fast genauso - trifft aber nicht ganz den Kern.

Denn hier bin ich nur gefordert, andere nicht bewusst zu schädigen.

Dort aber bin ich zu Sanftmut und Barmherzigkeit herausgefordert - denen Gutes zu tun, die mir Schaden zufügen.

Nur, wenn wir das hören und aktiv so handeln, steht unser Leben auf festem Grund. Und wir haben die Chance auf ein glückliches, ein seliges Leben.

Von klein auf bringen wir unseren Kindern bei: was du versprichst, das musst du auch halten.

Denn Worte, die im Widerspruch zu meinem Tun stehen, die überzeugen niemanden - nicht einmal mich selbst.  Solche Worte sind kein stabiles Fundament für mein Leben.

Denn andere kommen schnell dahinter, wenn ich leere Versprechungen mache; oder nur große Worte töne, ohne Substanz.

Menschen, die von Nächstenlieben hören und reden - aber immer nur darauf schauen, dass sie ihre eigenen Schäfchen ins Trockene bringen, sind unverlässlich. Ihnen ist nicht zu trauen.

Leicht ist das nicht, ich sage ja: es ist eine Herausforderung. Eine, die viele von uns mit dem Kopf schüttel lässt. Eine, die wir oft gar nicht erst bereit sind, anzunehmen. Weil es weltfremd ist, sich so zu verhalten. Weil es uns im Zweifel immer in die Opferrolle zwingt.

Es ist nicht leicht - und es ist nicht selbstverständlich, sich so zu verhalten. Sonst sähen politische Wahlkampagnen in der Mehrheit anders aus - und unser normales Leben auch.

Fast immer bleiben Taten hinter unseren Worten zurück.

Und viel zu oft muss ich mir eingestehen: wären meine Worte ein Haus, dann hätte der Wind den Sand schon längst verweht, und mein großartiges Wortgebilde wäre eingestürzt.

Und irgendwie manövriert uns das jetzt auch in eine Sackgasse. Denn es kann einem schon ein bisschen mulmig werden, das eigene Leben mit diesem Anspruch zu vergleichen - und eigentlich nur eingestehen zu können: Ich schaffe es nicht, dir gerecht zu werden.

Aber gerade heute sehen wir, dass es immer einen Weg gibt - nicht gegen, sondern mit Jesus Christus. Denn die Taufe ist der Moment, in dem wir unsere größte Schwäche spüren - und sie in Gottes Segen hineinstellen. Wir sind klein und verletzlich und hilflos - und doch voller Vertrauen, dass unser Leben in diesem Segen gelingt.

Die Taufe ist der eine Moment, in dem Hören und Tun zusammenfallen - in dem wir ganz und gar eins sind mit dem Vertrauen auf Jesus Christus. Denn wir hören seinen Ruf an uns - und bringen ihm unser Kind - unser Leben, unsere Zukunft. Voll und ganz.

Wir sorgen für unsere Kinder dafür, dass ihr Lebenshaus mit Jesus Christus als seinem Lebensgrund fest verbunden ist - von Anfang an. Und handeln damit klug und weise - denn die Verbindung vom Fundament zum Haus hin - die hält. Die trotzt allen Stürmen und jedem Unwetter. Und auch wenn unsere Wände Risse erhalten, wenn manche Gewissheiten einstürzen und Räume unseres Hauses leerbleiben - auf diesem Grund können wir immer wieder von neuem bauen.

 Amen.